Pankreaskarzinom (Bauchspeicheldrüsenkrebs)

Pankreaskarzinom-Zentrum der Universitätsmedizin Göttingen

Die Diagnosestellung und Behandlung von bösartigen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse stellen eine große Herausforderung für die moderne Medizin dar. Insbesondere auf dem Gebiet der medikamentösen Behandlung konnten bedeutende Fortschritte erzielt werden, wodurch die Prognose betroffener Patient*innen deutlich verbessert wurde. Durch interdisziplinäres Handeln von Chirurgie, Pathologie, Strahlentherapie und medikamentöser Therapie konnte sowohl die Überlebenszeit betroffener Patient*innen gesteigert als auch ihre Lebensqualität deutlich erhöht werden.

Um den komplexen Anforderungen dieser Erkrankung gerecht zu werden, behandeln wir an der Universitätsmedizin Göttingen unsere Patient*innen mit Pankreaskarzinom im Rahmen eines von der Deutschen Krebshilfe zertifizierten Pankreaskarzinom-Zentrums. Darüber hinaus bieten wir unseren Patient*innen eine molekulare Charakterisierung des Tumors mit dem Ziel der Identifikation potenziell therapeutisch nutzbarer Genveränderungen im Rahmen unseres molekularen Pankreasprogramms an. Sollten Sie selbst Betroffene*r dieser Erkrankung oder Angehörige*r einer/eines Betroffenen sein, können Sie sich auch an eine deutschlandweit aktive Selbsthilfegruppe für Tumore und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse (TEB) wenden.

Logo Zertifiziertes Pankreaskarzinom-Zentrum

Häufigkeit und Lokalisation von Pankreaskarzinomen

Bösartige Neubildungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreaskarzinome) stellen eine der selteneren Malignome des Menschen dar und betreffen in Deutschland etwa 10 Neuerkrankte pro 100.000 Einwohner in einem Jahr. Dabei gehen mehr als 80% der Erkrankungen von den Drüsen-bildenden Zellen des Verdauungssaft produzierenden Teils der Bauchspeicheldrüse aus (duktales Adenokarzinom). Andere Tumorarten des Pankreas sind selten und stellen neuroendokrine Tumore, Azinuszellkarzinome, Papillenkarzinome oder Plattenepithelkarzinome dar.

Die meisten Pankreaskarzinome entstehen im Kopf der Bauchspeicheldrüse (ca. 75%), Lokalisationen im mittleren Teil der Drüse oder im Schwanzbereich sind hingegen selten. Das duktale Adenokarzinom des Pankreas hat meist eine ungünstige Prognose was zum größten Teil durch die häufig späte Diagnosestellung und die dadurch bedingten, limitierten Behandlungsmöglichkeiten verursacht wird. Die führt dazu, dass Pankreaskarzinome trotz ihres relativ seltenen Auftretens zu den häufigsten krebsbedingten Todesursachen in Deutschland zählen.

Risikofaktoren des Pankreaskarzinoms

Das Pankreaskarzinom stellt in der Regel eine Erkrankung des fortgeschrittenen Lebensalters dar. Die Erkrankung tritt meist zwischen dem 60. und 75. Lebensjahr auf. Nur bei einer geringen Anzahl von Betroffenen finden sich mehrere Verwandte ersten Grades, die auch an einem Pankreaskarzinom erkrankt sind. Angehörige dieser Familien können in Deutschland in einem speziellen familiären Pankreaskarzinomregister untersucht werden. Darüber hinaus sind seltene vererbbare Mutationen beschrieben, die zu einem erhöhten Risiko für die Entstehung eines Pankreaskarzinoms prädisponieren. Hierzu gehören Ataxia teleangiectasia (ATM Gen), hereditäres nicht-polypöses Kolonkarzinom (HNPCC, Mismatchrepair Gene), familiäre adenomatöse Polyposis (FAP, APC Gen), hereditäres Mamma- und Ovarialkarzinom (BRCA1 oder BRCA2 Gen), Peutz-Jeghers-Syndrom (STK11 Gen), familiäres atypisches multiples Muttermal- und Melanom-Pankreaskarzinom-Syndrom, (FAMMMPC-Syndrom CDKN2A Gen).

Die genauen Ursachen für die Entstehung der Mehrzahl der Fälle von Bauchspeicheldrüsenkrebs sind bisher nur wenig bekannt. Neben genetischen Faktoren, die im frühen Erwachsenenalter zu chronischen Entzündungen der Bauchspeicheldrüse führen (hereditäre Pankreatitis), konnte für äußere Faktoren wie Zigarettenrauchen und chronischer Alkoholmissbrauch ein direkter Zusammenhang mit der Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs aufgezeigt werden. Darüber hinaus werden hochkalorische und fettreiche Kost als möglicher Risikofaktor diskutiert.

Diagnose eines Pankreaskarzinoms

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt keine bildgebende oder laborchemische Untersuchung, die eine zuverlässige Erkennung von Patient*innen mit frühen Stadien eines Pankreaskarzinoms ermöglicht. Somit ist ein Screening von asymptomatischen Personen mit dem Ziel einer Früherkennung dieser bösartigen Erkrankung nicht sinnvoll. Die Beschwerden sind bei Karzinomen der Bauchspeicheldrüse häufig nur wenig spezifisch. Häufig berichten Patient*innen über Symptome wie Schmerzen in Oberbauch und Rücken, Gelbsucht (Ikterus), Abgeschlagenheit, oder ungewolltem Gewichtsverlust. Auch eine neu aufgetretene Zuckererkrankung kann hinweisend auf das Vorliegen eines Pankreaskarzinom sein.

In der Diagnosestellung des Bauchspeicheldrüsenkrebses kommen neben der körperlichen Untersuchung vor allem bildgebende Verfahren zum Einsatz. Hierzu gehören transabdomineller Ultraschall, endosonografischer Ultraschall sowie Computertomographie und MRT. Jedes dieser Verfahren hat spezifische Vorteile und Limitationen, so dass sie nicht in Konkurrenz, sondern bei bestimmten Fragestellungen sich jeweils ergänzend gesehen werden müssen. Mit diesen Verfahren können neben der Lokalisation des Tumors in der Bauchspeicheldrüse wichtige Fragen zu Metastasierung, der Lage des Tumors zu Blutgefäßen und anderen Strukturen im Körper sowie zu einem potenziellen Behandlungserfolg beantwortet werden. Eine Diagnosestellung ist mit bildgebenden Verfahren nicht möglich, diese gelingt allein durch die feingewebliche Untersuchung von Tumorgewebe. Die Gewinnung von Tumorgewebe kann während einer Operation, durch eine Nadelbiopsie im Rahmen eines bildgebenden Verfahrens oder während einer Spiegelung von Gallenwegen oder Pankreasgang erfolgen. Die Bestimmung klassischer Tumormarker im Blut (CA19-9 oder CEA) sollte nicht zur Diagnosestellung, sondern zur Überwachung eines Behandlungserfolges oder nach operativer Entfernung des Tumors zur Anwendung kommen. In Ausnahmefällen wird vor einer geplanten Operation zur Entfernung eines Pankreaskarzinoms eine Bauchspiegelung durchgeführt, um eine Ausbreitung des Tumors in das Bauchfell zu untersuchen.

 

Therapie des Pankreaskarzinoms

Die therapeutischen Möglichkeiten in der Behandlung des Pankreaskarzinoms hängen stark von der Ausbreitung des Tumors zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ab. Im Allgemeinen gilt, je früher das Pankreaskarzinom erkannt wird, desto günstiger sind die Erfolgsaussichten und Therapieoptionen zu bewerten.

Bei Diagnosestellung präsentieren sich Patient*innen mit drei unterschiedlichen Tumormanifestationen:

  • Metastasierter Tumor: (ca. 70% der Patient*innen, es liegen bereits Metastasen in anderen Organen vor)
  • Lokal fortgeschrittener Tumor: (ca. 20% der Patient*innen, der Tumor ist auf die Bauchspeicheldrüse begrenzt, ohne Metastasen, infiltriert jedoch lebenswichtige Nachbarstrukturen, z.B. Arterien)
  • Resektabler Tumor: (ca. 10% der Patient*innen, der Tumor ist auf die Bauchspeicheldrüse begrenzt, ohne Metastasen oder infiltriert jedoch lebenswichtige Nachbarstrukturen)

Neben dem Stadium der Tumorerkrankung stellen auch patientenspezifische Faktoren wie Ernährungszustand, allgemeiner Gesundheitszustand oder das Vorliegen weiterer Erkrankungen wichtige Faktoren in der Entscheidungsfindung der richtigen Therapie für betroffene Patient*innen dar.

Geeignete Patient*innen werden in unser Molekulares Pankreasprogramm (MoIPAC) eingeschlossen, das besondere Diagnostik- und Therapiemethoden anbietet.

Chirurgische Therapie

Die Resektion des Tumors stellt auch heute noch die einzig realistische Chance auf eine dauerhafte Heilung bei Patient*innen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs dar. Es ist jedoch nur ein kleiner Teil der Pankreaskarzinome bei Diagnosestellung resektabel, weil der Tumor entweder Metastasen in anderen Organen gebildet hat oder in lebenswichtige Nachbarstrukturen, z.B. Arterien eingewachsen ist. Wenn der Tumor anhand der bildgebenden Diagnostik entfernbar erscheint, können in Zentren, die über viel Erfahrung in der Entfernung von Pankreaskarzinomen verfügen, diese ansonsten komplikationsträchtigen Operationen an der Bauchspeicheldrüse in der Regel gefahrlos durchgeführt werden. Sollte der Tumor durch den Chirurgen entfernt worden sein, besteht ein großes Risiko, dass es zu einem Rezidiv dieses Tumors kommt. Aus diesem Grund sollten Patient*innen nach Entfernung eines Bauchspeicheldrüsentumors eine Chemotherapie erhalten. Hierdurch kann sowohl das Risiko für das Auftreten eines Tumorrezidivs reduziert als auch die Zeit bis zum Auftreten eines Rezidives verlängert werden.

 

Unter bestimmten Bedingungen kann auch bei Patient*innen mit fortgeschrittenen Bauchspeicheldrüsenkarzinomen eine operative Therapie sinnvoll sein. Dies ist der Fall, wenn der Tumor Nachbarorgane wie den Dünndarm oder die Gallenwege einengt und deren normalen Abfluss verhindert.

Strahlentherapie

Die Rolle der Strahlentherapie in der Behandlung des Pankreaskarzinom ist bis heute nur unzureichend geklärt. Es scheint, dass durch die Strahlentherapie eine gute Kontrolle des Ausgangstumors im Pankreas erreicht werden kann. Dadurch könnte die Strahlentherapie in der Wachstumskontrolle lokal fortgeschrittener Bauchspeicheldrüsenkarzinome von therapeutischem Nutzen sein. Zurzeit werden weltweit große klinische Studien durchgeführt, um den Wert der Strahlentherapie in der Behandlung des Pankreaskarzinoms besser zu verstehen. Wir sind an der UMG Teil dieses Studiennetzwerkes und betroffene Patient*innen können bei Vorliegen spezieller Kriterien an diesen Studien teilnehmen.

Medikamentöse Therapie

Eine Chemotherapie ist bei Patient*innen mit Pankreaskarzinomen in den meisten Fällen notwendig. Hier müssen jedoch verschiedene Situationen unterschieden werden, bei denen chemotherapeutische Behandlungsverfahren eingesetzt werden. Sie wird entweder im Anschluss eine chirurgische Entfernung des Tumors zur Reduktion der Rezidivrate oder bei Patient*innen mit lokal fortgeschrittener bzw. metastasierter Erkrankung zur Eindämmung des Tumorwachstums durchgeführt. Dabei konnten in den letzten Jahren deutliche Verbesserungen sowohl in der Verbesserung der Wirksamkeit als auch der Reduktion von Nebenwirkungen erreicht werden. In der Regel werden Kombinationen aus verschiedenen wirksamen Substanzen in wöchentlichem oder zwei-wöchentlichem verabreicht. Für Patient*innen in schlechtem Allgemein- oder Ernährungszustand ist der Nutzen einer Chemotherapie fraglich. Folgende Substanzen werden in der systemischen Therapie eingesetzt:

  • Gemcitabin: Wirksamkeit als Kombinationspartner in Phase II und III Studien gezeigt, adjuvante und palliative Systemtherapie, zugelassen
  • 5-Fluorouracil (5-FU): Wirksamkeit als Kombinationspartner in Phase II und III Studien gezeigt, adjuvante Systemtherapie, zugelassen
  • Capecitabin: Wirksamkeit als Kombinationspartner in Phase II und III Studien gezeigt, adjuvante und palliative Systemtherapie, zugelassen
  • Folinsäure (FA): Wirksamkeit als Kombinationspartner in Phase II und III Studien gezeigt, adjuvante und palliative Systemtherapie, zugelassen
  • Erlotinib: EGFR Antagonist, Wirksamkeit als Kombinationspartner in Phase II und III Studien gezeigt, palliative Systemtherapie, zugelassen
  • Cisplatin: Wirkung in Phase III Studie mit Gemcitabin gezeigt
  • Oxaliplatin: Wirkung in Phase III Studie mit Gemcitabin (Gem/Ox) und 5-FU/Irinotecan/Folinsäure (FOLFIRINOX oder OFF) gezeigt; adjuvante und palliative Erst- und Zweitlinien Systemtherapie
  • Irinotecan: Wirkung in Phase III Studie mit Gemcitabin (Gem/Ox) und 5-FU/Irinotecan/Folinsäure (FOLFIRINOX oder OFF) gezeigt; adjuvante und palliative Systemtherapie
  • Nal-Irinotecan: Nanoliposomales Irinotecan, Wirkung mit 5-FU in Phase III Studie nach Versagen von (Gem/nab-Paclitaxel) in der Zweitlinien Systemtherapie gezeigt, zugelassen
  • Nab-Paclitaxel: Albumin-modifiziertes Paclitaxel, Wirkung in Phase III Studie mit Gemcitabin (Gem/nab- Paclitaxel) gezeigt; palliative Systemtherapie

Supportive (unterstützende) Therapie

Neben der direkten Behandlung der Krebserkrankung mit den Tumor angreifenden Substanzen und Methoden werden bei Patient*innen mit Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse häufig unterstützende Maßnahmen zur Linderung von Beschwerden notwendig. In der Regel betrifft dies Patient*innen mit weit fortgeschrittenen Tumoren. Zu den unterstützenden Therapien gehören Schmerztherapie, Ernährungsberatung bzw. Sicherstellung der Ernährung, Krankengymnastik, psycho-onkologische Betreuung oder die Organisation der häuslichen Betreuung. Diese Behandlungen sollten wenn möglich in einem Palliativnetzwerk koordiniert werden.

Einen großen Anteil der unterstützenden Therapie stellen endoskopische Maßnahmen bzw. interventionell sonografische Behandlungen zur Sicherung des Galleabflusses oder Drainage von Ascites (Bauchwasser).

Terminvereinbarung & Kontakt

Termin in der Ambulanz

Sie haben Interesse an einer ambulanten Behandlung oder wünschen eine Zweitmeinung? Wir sind gerne für Sie da! Vereinbaren Sie Ihren Termin unter 0551 3965303.

Sprechzeiten sind Dienstag bis Donnerstag von 8:00–15:00 Uhr.

Sekretariat Onkologie und Bettenmanagement

Christa Lichte-Adelski

Kontaktinformationen

  • Sekretariat Onkologie

    Bettenmanagement

Oberarzt

PD Dr. med. Alexander König

Sekretariat

  • Bereichsleiter Onkologie

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